Über den Künstler

Vom Zahlenraum zum Farbraum: Frank Nitsches Wechsel von der Wissenschaft zur Kunst

Frank Nitsche in seinem Atelier – Foto Michael Uhlmann | 2008

Frank Nitsche Studierendenausweis 2000

Biografie

Als Kind fand Frank Nitsche in der Zeichnung einen Ort, an dem die Welt leicht wurde. Doch die DDR lenkte ihn zunächst in ein anderes Feld: Mathematik und Physik, zwei Staatsexamina und zwei Jahrzehnte lang unterrichtete er diese Fächer – Zahlen statt Farben. Der leise Gegenentwurf blieb: Im „Zwischenraum“ traf er den Künstler Paul Otto Knust, der zum Mentor und väterlichen Halt wurde und die Tür zur Malerei endgültig aufstieß.

Atelier statt Klassenraum

Mit 41 zog Nitsche die Konsequenz, drehte sein Leben noch einmal und ging an die Burg Giebichenstein (Kunstpädagogik), parallel als Gasthörer an die HGB Leipzig – Atelier statt Klassenraum, Bilder statt Formeln.

Arbeitsprozess

Seine Arbeiten entstehen langsam, in Schichten, oft über Jahre. Ölfarben werden aufgetragen, vollständig getrocknet, verschliffen und wieder überarbeitet; alte Farbreste flackern auf, tragen Erinnerung in die Gegenwart und geben der Oberfläche Patina. Aus dem freien Spiel von Farbe, Form und kontrolliertem Zufall verdichten sich Bildräume, die eine innere Logik entfalten: ein Strom aus Licht und Bewegung, der von innen zu leuchten scheint – Malerei als „Topografie der Schichten“.

Anerkennung

Anerkennung und Verkäufe wachsen seit Jahren stetig; vieles geht bereits „von der Staffelei“ an Sammler. Auch digital erhält seine Arbeit seit 2025 spürbare Resonanz – gerade aus dem Kreis von Künstlern, Kuratoren und Galerien. Auf Instagram hat er eine treue Fangemeinde. Daraus erwächst der nächste Schritt: thematische Serien weiterentwickeln, Galeriepräsenz national wie international ausbauen und tragfähige Beziehungen zu Sammlern vertiefen – Malerei als bleibender Wert, nicht als flüchtiger Effekt.

Zwischen Aschersleben und Ahrenshoop

Frank Nitsche, 1958 in Eisleben geboren, lebt und arbeitet in Aschersleben (Sachsen-Anhalt) und im Künstlerort Ahrenshoop, seiner zweiten Heimat. Sein Atelier ist seit dem Studienbeginn 1999 sein Lebensmittelpunkt – ein stiller, heller Raum, in dem Bilder wachsen. Getragen von Familie und einer langen Tätigkeit als Kunstlehrer (u. a. Gründer der Kreativwerkstatt Aschersleben), führt er heute das fort, was in der Kindheit begann: Er macht sichtbar, was unter der Oberfläche liegt – Schicht um Schicht, Licht aus Tiefe.

Artist Statement

Kinderland reloaded: Freude, die den Ernst nicht verdrängt

Motivation

“Ich male aus dem Vertrauen, dass die Welt – trotz Bruchkanten – ein Ort von Farbe, Licht und Leichtigkeit ist“. Dieses Lebensgefühl wird in meinen Bildern zur Bühne: Licht trifft auf Bewegung, Formen lösen sich, werden vom Hellen durchdrungen und finden im Spiel neu zusammen. Was entsteht, ist kein statisches Bild, sondern ein Dialog aus Rhythmus, Farbe und Tempo – ein Lichtspiel, das den Puls des Lebens spürbar macht.“

Heiterkeit mit Tiefe

„Das Heitere ist für mich kein Ausweichen, sondern Haltung. Ich inszeniere Licht und Farbe so, dass neben Glanz immer auch Fallhöhe sichtbar bleibt. Hinter der spielerischen Oberfläche erscheint das Menschliche: Erinnerung, Sehnsucht, Verletzlichkeit. Die Leichtigkeit trägt den Riss nicht weg – sie beleuchtet ihn. So entstehen Räume, in denen man lächeln darf und zugleich nachdenken kann.“

Kinderland

„Die Kindheit ist ein wiederkehrendes Motiv. Sie steht für freies, schöpferisches Spiel und für Regeln, Erwartungen, Überforderungen. In meinen Arbeiten baue ich mir ein Kinderland, in dem ich König, Narr und Matrose zugleich bin – Herrscher, Träumer, Entdecker. Diese Rollen erlauben mir, die eigene Geschichte zu befragen und das verlorene Staunen zurückzuholen.“

Malstil

„Stilistisch bewege ich mich frei zwischen Kubismus, Expressionismus, Abstraktion und Surrealismus. Linien zerlegen und ordnen, Flächen kippen, Perspektiven verschieben sich. Farbe ist mein Hauptdarsteller; das Bild entsteht aus dem Spielen – und im Spiel zeigt sich Wahrheit.

Meine Bilder laden ein, einzutauchen, sich tragen zu lassen und mit einer Spur Hoffnung zurückzukehren. Ich glaube an Kunst, die Mut macht: Leichtigkeit ohne Verdrängung, Heiterkeit mit Tiefe. Wenn ein Bild den Blick nach innen öffnet und zugleich die Arena des Lebens heller erscheinen lässt, hat es sein Ziel erreicht – ehrlicher, freier, menschlicher.”

Frank Nitsche in seinem Atelier 2025 - Foto Christina Schubert
Kreativwerkstatt Aschersleben
Kreativwerkstatt - Werkstätten für Kunst und Wissenschaft Aschersleben
Frank Nitsche und seine Frau Dietlind - Foto Christina Schubert
Frank Nitsche mit seiner Frau Dietlind

„Zu meinem Leben gehört ebenso meine Frau Dietlind, mit der ich seit vielen Jahren glücklich verheiratet bin. Zusammen mit unseren zwei Söhnen, ihren Partnerinnen und unseren vier Enkelkindern bildet sie das stabile Fundament, das mich trägt und stärkt.

Den Großteil meines beruflichen Lebens habe ich mit Leidenschaft als Kunstlehrer am Gymnasium verbracht und durfte auf diese Weise zahlreiche junge künstlerische Laufbahnen prägen. 2010 gründete ich die Kreativwerkstatt Aschersleben – eine Jugendkunstschule, die mir bis heute besonders am Herzen liegt. Auch wenn ich nicht mehr täglich an vorderster Front stehe, unterstütze ich die Einrichtung weiterhin als Berater, Grafiker und Pädagoge.
Die Kreativwerkstatt, Werkstätten für Kunst und Wissenschaft Aschersleben, betrachte ich als wichtigen Teil meines Lebenswerkes, dessen Fortbestehen ich, solange meine Kraft reicht, mit Überzeugung begleite.“