Frank Nitsches Bilder verlangen Nähe. Sie hängen nicht auf Distanz, sie wirken nicht aus der Ferne. Man muss herantreten, fast mit der Nase an die Oberfläche stoßen, um zu verstehen, was hier geschieht. Farbflächen überlagern sich, Linien tanzen, Figuren tauchen auf und verschwinden wieder. Nichts ist endgültig, alles scheint in Bewegung. Jedes Bild funktioniert wie ein Fenster – in eine andere Welt, aber auch in ein inneres Erleben.

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Redaktion

Malerei als Schichtarbeit

Der Entstehungsprozess beginnt bei Nitsche lange vor der Leinwand. In dutzenden Skizzenbüchern zeichnet er täglich: Menschen, Tiere, Räume, Erinnerungen. Diese Zeichnungen dienen nicht als Vorlagen, sondern als Reservoir. Auf der Leinwand selbst entstehen zunächst abstrakte Farbflächen – „bunte Steinchen“, wie er sie nennt. Erst später finden Figuren ihren Platz. Katzen, Kinder, Matrosen, Könige tauchen auf, werden wieder überarbeitet und verschwinden erneut. „Meine Bilder haben oft sechs, acht Jahre Geschichte.“ Unzufriedenheit ist dabei kein Makel, sondern Motor. Viele Arbeiten werden abgeschliffen, zerstört,neu aufgebaut. Spachtel, Schleifpapier und neue Farbschichten erzeugen eine Tiefe, die man nicht nur sieht, sondern spürt. Nitsches Malerei lebt von einer produktiven Spannung: dem freien Spiel und der strukturellen Ordnung. Als ausgebildeter Mathematiker liebt er Systeme, Rhythmen und Ausgewogenheit. Gleichzeitig verweigert er sich dem Zwang zur Perfektion. Expressionismus und Abstraktion sind für ihn Mittel, um emotionale Wahrheiten sichtbar zu machen – nicht anatomische Korrektheit. Linien dürfen springen, Formen sich lösen. „Ein Mensch muss nicht perfekt gemalt sein – es muss rauskommen, wie er sich fühlt, sagt der Ascherslebener.

„Ankunft im Hafen“

Bühne, Rollen und die Kraft kleiner Formate

Viele von Nitsches Bildern wirken wie Szenen auf einer Bühne. Figuren stehen im Licht, Räume öffnen oder schließen sich. Diese theatrale Anmutung ist bewusst gesetzt. Die wiederkehrenden Rollen – König, Narr, Matrose – sind archetypisch. Sie stehen für Verantwortung, Reflexion und Freiheit. Besonders der Matrose fungiert als Ausbruchspunkt: Er darf den Raum verlassen, in die Weite segeln. Und auch die Lichtsetzung spielt eine wichtige Rolle. Gelb steht für Sonne, Hoffnung, Gold. Doch immer existieren auch Schattenzonen. Innenräume, Düsternis, Enge. Freiheit wird nicht behauptet – sie muss erkämpft werden. Warum also klein? Für Nitsche liegt die Antwort in der Intensität. Große Formate verlieren für ihn schnell an Dichte. Im kleinen Bild dagegen entsteht ein „Brillanteffekt“: Tiefe, Leuchten, Konzentration. „Ich will, dass man ganz nah rangeht.“ Die Nähe schafft Intimität. Jedes Bild richtet sich an eine einzelne betrachtende Person, nicht an eine Gruppe. In dieser stillen Begegnung entfaltet sich die eigentliche Wirkung seiner Malerei. So entstehen Werke, die leise sprechen und lange nachhallen. Frank Nitsches Bilder fordern keine Aufmerksamkeit – sie gewinnen sie.

„Haus des Narren“

Etablierte Präsenz jenseits des schnellen Marktes

Der künstlerische Erfolg von Frank Nitsche folgt keiner klassischen Galerie- oder Messekarriere, sondern ist das Resultat kontinuierlicher Arbeit. Seit den frühen 2000er-Jahren zeigt er seine Arbeiten regelmäßig in Einzelausstellungen, unter anderem in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Baden-Württemberg. Einen sichtbaren Höhepunkt bildete die große Werkschau 2023/24 im Kunstquartier Grauer Hof in Aschersleben. Dabei wurden 250 Arbeiten aus mehreren Jahrzehnten präsentiert – eine Retrospektive, die sein Werk erstmals in dieser Breite zusammenführte. Auch jenseits des Kunstmarkts ist seine Arbeit anerkannt: Für sein kulturpädagogisches Engagement wurde er unter anderem mit dem Bildungspreis der Stadt Aschersleben sowie dem Ehrenamtspreis des Salzlandkreises ausgezeichnet.

Künstler Frank Nitsche im Atelier

Weitere Informationen unter:

www.franknitsche.de/

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